EIGENTLICH HATTE ICH ETWAS ANDERES VOR

Bild mit KI gestaltet

Bild mit KI gestaltet

Über die Zukunft, unsere Pläne und die kleinen Überraschungen, die das Leben interessant machen.

Manchmal würde ich gerne einen Blick in meine Zukunft werfen. Nicht gleich zehn Jahre voraus. Drei Monate würden mir fürs Erste reichen. Nur um zu wissen, was auf mich zukommt und ob ich mich darauf freuen darf. Falls nicht, könnte ich rechtzeitig etwas unternehmen. Ich halte das für ausgesprochen vernünftig. Das Leben offensichtlich nicht.

Dabei plane ich gerne. Ich mache mir Gedanken, überlege Möglichkeiten, spiele verschiedene Szenarien durch. Und wenn ich mich endlich für eines entschieden habe, passiert meistens irgendetwas, das in meiner Planung nicht vorgesehen war.

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich finde, das Leben könnte gelegentlich etwas kooperativer sein.

Bei den Interviews für mein Buch Das Interview deines Lebens habe ich meine Gesprächspartner unter anderem gefragt, wovor sie Angst haben. Eine der Interwievten antwortete mir, dass sie eigentlich vor nichts wirklich Angst habe. Angst könne schließlich nicht verhindern, was ohnehin passieren würde. Und die meisten unserer Befürchtungen seien sowieso unbegründet.
Ich fand ihre Gelassenheit beneidenswert.

Ich dagegen bin durchaus in der Lage, mir über Dinge Gedanken zu machen, die noch gar nicht passiert sind. Manchmal sogar über mehrere gleichzeitig. Das erfordert immerhin eine gewisse Fantasie. Dabei habe ich längst erfahren, dass sich das Leben selten so entwickelt, wie wir es uns vorgestellt haben.

Wenn ich zurückblicke, fallen mir Begegnungen ein, die es ohne einen Zufall niemals gegeben hätte. Ein Gespräch, das eigentlich nur fünf Minuten dauern sollte. Eine Einladung, zu der ich beinahe Nein gesagt hätte. Ein Mensch, der plötzlich auftauchte und etwas in meinem Leben veränderte, ohne dass ich danach gesucht hatte.

Solche Geschichten erzählen wir später besonders gerne: Stell dir vor, eigentlich wollte ich an dem Abend gar nicht ausgehen!

Und dann erzählen wir von einer Begegnung, einer Freundschaft oder einer Liebe, die es sonst vielleicht niemals gegeben hätte.

Merkwürdig eigentlich. Wir möchten möglichst genau wissen, was auf uns zukommt, schwärmen aber rückblickend oft von dem, womit wir überhaupt nicht gerechnet hatten.

Natürlich wissen wir inzwischen auch, dass nicht jede Überraschung eine schöne ist. Manche Veränderungen hätten wir uns gerne erspart. Manche Abschiede ebenso. Vielleicht werden wir deshalb mit den Jahren vorsichtiger und versuchen, möglichst viele Eventualitäten schon im Voraus zu bedenken.

Ich werde trotzdem weiter Pläne machen. Dafür mag ich sie viel zu sehr. Aber vielleicht sollte ich dem Leben gelegentlich etwas mehr zutrauen als meiner eigenen Vorstellung davon, wie es zu verlaufen hat.

Denn wenn ich zurückblicke, sind es erstaunlich oft die ungeplanten Wendungen, aus denen die interessantesten Geschichten entstanden sind.

Und wer weiß, welche Geschichten noch auf uns warten, von denen wir heute nicht einmal ahnen, dass sie einmal zu unseren liebsten Erinnerungen gehören werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert