Bild mit KI gestaltet
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Über schwierige Zeiten und die Erwartung, hinterher ein besserer Mensch zu sein.
Wenn schon etwas schiefgeht im Leben, soll es wenigstens für etwas gut gewesen sein. Eine Trennung bringt uns zu uns selbst. Eine Enttäuschung macht uns klüger. Und nach einer richtig schwierigen Zeit sind wir stärker als je zuvor.
Man sollte dem Leben beinahe für die Unannehmlichkeiten dankbar sein.
Für mein Buch Das Interview deines Lebens habe ich Menschen gefragt: Welche Situation hat dich in deinem Leben stärker gemacht? Ich fand das eine gute Frage. Bis ich bei einer Antwort merkte, was ich darin schon vorausgesetzt hatte.
Andreas sagte: Ob ich durch bestimmte Situationen stärker oder schwächer geworden bin, weiß ich nicht.
Er hatte als kleines Kind getrennt von seinen Eltern gelebt und später seine Heimat verlassen. Über schwierige Erfahrungen hätte er einiges erzählen können. Aber dass sie ihn stärker gemacht hatten, wollte er deshalb noch lange nicht behaupten.
Ich mag diese Ehrlichkeit. Auch wenn sie meine schöne Frage ein bisschen durcheinanderbringt.
Vielleicht hat mich etwas vorsichtiger gemacht. Vielleicht fällt es mir seitdem schwerer, jemandem zu vertrauen. Vielleicht weiß ich heute genauer, was ich nicht mehr möchte, und hätte auf die Art, es herauszufinden, trotzdem gerne verzichtet.
Muss ich das dann Stärke nennen?
Ich kenne den Wunsch, im Rückblick einen Sinn zu finden. Es ist tröstlich, wenn sich etwas fügt. Wenn ich irgendwann sagen kann: Ohne diese Entscheidung wäre ich diesem Menschen nie begegnet. Ohne diesen Umweg hätte ich etwas Wichtiges nicht entdeckt.
Nur folgt daraus für mich nicht, dass der Schmerz dafür nötig war. Ich darf mich über das freuen, was danach kam, und das Davor trotzdem bedauern.
Vielleicht stört mich an diesem Du wirst daran wachsen auch die zusätzliche Aufgabe. Da hat man schon etwas zu verkraften und soll hinterher auch noch eine beeindruckende Entwicklung vorweisen. Traurig rein, souverän raus. Möglichst mit neuen Grenzen, klaren Werten und einem sehr guten Verhältnis zu sich selbst.
Ich entwickle mich gerne weiter, und ein bisschen klüger werden ist immer schön. Mich interessiert nur genauso, ob ich mir dabei etwas von meiner Unbefangenheit bewahren kann. Gute Laune hätte ich nämlich auch hinterher noch gerne.
Natürlich gibt es Erfahrungen, aus denen ich etwas gelernt habe. Bei manchen denke ich allerdings: Hätte mir das nicht jemand bei einem netten Abendessen erklären können? Ich hätte auch zugehört.
Andreas hat mich mit seiner Antwort daran erinnert, dass ich nicht aus jeder schwierigen Zeit eine Geschichte mit einem bewundernswerten Ausgang machen muss. Manches war schwer. Manches hat sich zum Guten gewendet. Und bei anderem weiß ich bis heute nicht, wofür es gut gewesen sein soll.
Ob ich daran gewachsen bin?
Vielleicht.
