Es gibt diese Abende im Sommer, an denen man nicht mehr weiß, wie spät es ist. Die Sonne ist längst weg, aber die Steine geben die Wärme des Tages noch zurück, und irgendwo läuft leise Musik, die niemand ausgesucht hat.
Ich ging an einem Haus vorbei, an dem ein langer Tisch stand. Draußen, unter einem Feigenbaum. Halb abgeräumt, ein paar Weingläser noch halb voll, eine Kerze, die fast heruntergebrannt war. Niemand saß mehr daran.
Aber aus dem Haus kam Gelächter. Dieses satte, warme Lachen von Menschen, die sich lange kennen und nichts mehr voneinander wollen, außer, dass der Abend nicht aufhört.
Ich blieb einen Moment stehen. Ich weiß nicht, warum. Vielleicht, weil dieser leere Tisch schöner war als jedes Festmahl. Er sah aus wie das, was übrig bleibt, wenn ein Abend gelungen ist. Nicht die Reste. Sondern die Spur.
So ein Tisch erzählt eine ganze Geschichte. Von einem Nachmittag, der in den Abend rutschte. Von einer Flasche, die „die letzte“ sein sollte und es nie ist. Von Menschen, die noch sitzen bleiben, weil es gerade zu schön ist, um zu gehen.
Und ich dachte: Das ist es doch. Genau das. Nicht die großen Feste, die wir monatelang planen. Sondern diese Abende, die einfach passieren. Die niemand fotografiert, weil alle zu beschäftigt sind mit Leben.
Früher hätte ich so einen Abend vielleicht verpasst. Weil ich mit den Gedanken schon woanders gewesen wäre.
Heute glaube ich, dass das Glück selten anklopft. Es setzt sich einfach dazu. Zwischen das zweite Glas Wein und eine Geschichte, die schon dreimal erzählt wurde.
Man muss nur wach genug sein, um es zu bemerken. Und großzügig genug, um es nicht gleich festhalten zu wollen.
Ich ging an diesem Abend weiter. Der Tisch blieb zurück, mit seiner heruntergebrannten Kerze und seinen halb vollen Gläsern.
Und ich fragte mich: Wie viele solche Abende erkennen wir wohl erst, wenn wir endlich aufhören, auf den nächsten zu warten?
