WIEDER LEBENDIG

Bild mit KI gestaltet

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Nach unserem Treffen nahm ich plötzlich den Sonnenschein wahr. Und den Duft der Luft. Wann hatte ich eigentlich zuletzt bemerkt, dass Luft nach etwas riecht?

Ich war draußen gewesen, natürlich. Ich hatte Wege zurückgelegt, Termine wahrgenommen, Dinge erledigt. Aber an diesem Tag war ich nicht einfach unterwegs. Ich nahm auf, was mich umgab: eine leichte Brise, den Duft des Sommers. Und spürte, was es mit mir machte.

Alles fühlte sich ein wenig intensiver an. So musste es sich anfühlen, wieder lebendig zu sein.

Eine Begegnung. Ein Mensch. Und dieses angenehme Gefühl, das danach blieb. Etwas Warmes, Vertrautes. Obwohl ich es lange nicht mehr gefühlt hatte.

Er hatte mich an Liebe erinnert.

Nicht an eine bestimmte Geschichte. Auch nicht an eine Vorstellung davon, wie es nun weitergehen müsste. Sondern daran, wie sich Liebe anfühlt. Wie weich man dabei werden kann. Wie empfänglich. Wie plötzlich wieder etwas in einem antwortet.

Es war, als hätte diese Begegnung etwas freigelegt, das ich unbemerkt zugedeckt hatte.

Dabei hätte ich vorher durchaus gesagt, dass es mir gut ging. Mein Leben war ausgefüllt. Ich hatte genug zu tun, konnte für mich sorgen und kam zurecht. Zurechtkommen ist schließlich eine Fähigkeit, die man mit den Jahren ziemlich gründlich übt.

Nur hatte ich wohl noch etwas anderes geübt. Mich zu schützen.

Nicht mit einem großen Entschluss. Eher Schicht für Schicht. Nach einer Enttäuschung etwas vorsichtiger werden. Nach der nächsten nicht mehr ganz so viel erwarten. Einen Wunsch lieber für sich behalten, bevor er wieder ins Leere geht.

Irgendwann merkt man die Schichten kaum noch. Sie gehören dazu. Man hält sie vielleicht sogar für Gelassenheit. Das Schwierige daran: Sie unterscheiden nicht besonders gut.

Was den Schmerz dämpft, dämpft auch die Freude. Sogar die an den kleinen schönen Dingen, die mit all unseren Enttäuschungen überhaupt nichts zu tun haben.

Die Sonne konnte nun wirklich nichts dafür. Sie hatte vermutlich auch an anderen Tagen geschienen. Nur an diesem Tag erreichte sie mich wieder.

Ich hatte meine Gefühle nicht verloren. Sie waren noch da. Unter all dem, was ich im Laufe der Zeit um sie gewickelt hatte.

Und nun hatte mich jemand berührt. So, dass ich danach nicht nur an ihn dachte, sondern auch mich selbst wieder spürte. Meine Freude. Meine Neugier. Diese leise Vorfreude, die sich plötzlich zwischen ganz gewöhnliche Gedanken schob.

Ich hätte anfangen können, das alles zu analysieren. Woher es kam. Was es bedeutete. Was daraus werden würde. Stattdessen freute ich mich. Über die Begegnung. Über das Gefühl, das geblieben war. Und darüber, dass mit ihm so viel anderes zurückkam.

Und ging weiter. Mit Sonne im Gesicht.

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