Bild mit KI gestaltet
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Warum bin ich so sehr damit beschäftigt, niemandem zu viel zu werden, dass ich darüber vergesse, einfach zu fragen: Wollen wir uns sehen? Wollen wir etwas Schönes zusammen machen?
Besonders absurd wird das Ganze, wenn der Mensch, dem man nicht auf die Nerven gehen möchte, einen großen Teil seines Lebens bei einem gewohnt hat.
Es gab Zeiten, da musste ich mir über Nähe überhaupt keine Gedanken machen. Sie war einfach da. Am Frühstückstisch. Im Flur. Hinter geschlossenen Türen. In herumstehenden Schuhen und der Frage, ob noch irgendjemand die letzte Milch getrunken hat.
Und irgendwann verändert sich das.
Aus Selbstverständlichkeit wird Verabredung. Aus Bis später wird Wann bist du eigentlich wieder da? Und aus Menschen, deren Leben einmal ganz selbstverständlich ineinander verwoben waren, werden Menschen mit eigenen Kalendern, eigenen Plänen und erstaunlich vielen Dingen, von denen der andere überhaupt nichts weiß.
Eigentlich genau so, wie es sein soll.
Ich mag Freiheit. Sehr sogar. Und ich mag Menschen, die ein eigenes Leben haben. Die nicht ständig fragen, wo man ist, wann man kommt und warum man gestern um 22.47 Uhr nicht mehr geantwortet hat.
Und ich möchte selbst genauso sein.
Kein Festhalten. Kein schlechtes Gewissen. Kein Du müsstest doch eigentlich…
Das Problem ist nur: Ich bin darin inzwischen ziemlich gut geworden.
Vielleicht ein bisschen zu gut.
Denn zwischen jemandem Freiheit lassen und vorsichtshalber gar nichts mehr fragen liegt offenbar eine ziemlich schmale Linie. Und manchmal merken wir erst, dass wir sie überschritten haben, wenn uns plötzlich all die Dinge einfallen, auf die wir eigentlich Lust gehabt hätten.
Nicht die großen. Die kleinen: ein Kaffee, ein Abend, ein Gespräch, das länger dauert als geplant… Irgendetwas Schönes. Zusammen.
Und plötzlich sitzt man da und denkt: Warum habe ich eigentlich nicht einfach gefragt?
Hast du Lust?
Das ist doch eine großartige Frage. Völlig unterschätzt. Sie verlangt nichts. Sie hält niemanden fest. Sie braucht keine Grundsatzdiskussion über Nähe, Freiheit oder die richtige Anzahl gemeinsamer Tage. Sie öffnet einfach eine Tür.
Der andere kann hindurchgehen. Oder eben nicht.
Und vielleicht ist das die Leichtigkeit, die wir manchmal suchen.
Nicht egal, nur unkompliziert.
Drei Wörter: Hast du Lust?
Mehr nicht.
Außer vielleicht: Wann?
