EIGENTLICH SCHÖN HIER

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Über die Sehnsucht nach woanders

Neulich habe ich Fotos meiner Wohnung angesehen und gedacht: Wie schön es da ist. Da würde ich gern wohnen. Was eine etwas merkwürdige Feststellung war, denn ich wohne ja dort.

Ich mag meinen Kleiderschrank und mein großes Bett. Es gab Zeiten, da hätte man mir die Welt am besten aufs Sofa gebracht. Ich wäre begeistert gewesen, solange ich dafür keinen Koffer hätte packen müssen. Vor einer Reise brauchte ich ewig, um überhaupt loszukommen, und fragte mich zwischendurch, warum ich nicht einfach zu Hause blieb.

Wenn ich heute ein Flugzeug sehe, würde ich manchmal gern wissen, wohin es fliegt. Und ob noch ein Platz frei ist. Das Packen würde ich dafür inzwischen in Kauf nehmen.

Ich habe mich gefragt, was sich verändert hat. Die Wohnung jedenfalls kaum. Auf den Fotos konnte ich gut sehen, warum ich sie so mag. Nur dieses selbstverständliche Gefühl, gern hier zu sein, ließ sich durch das Anschauen nicht wiederherstellen.

Es hatte mit dem Leben darin zu tun. Mit meiner Hündin, den Gesprächen und mit den Menschen, die kamen und gingen. Mit Tagen, an denen ich gar nicht darüber nachdachte, ob ich mich zu Hause fühlte.

Ich habe in verschiedenen Ländern gelebt und mich lange gefragt, wo ich eigentlich hingehöre. Anderswo fehlte mir etwas von früher, und wenn ich zurückkam, merkte ich, dass ich auch dort inzwischen einiges verpasst hatte. Meine Freunde sind über die Welt verstreut. Ich freue mich, sie zu sehen, aber gelegentlich wäre es schön, wenn wir uns dafür nicht erst mit dem Kalender in der Hand verabreden müssten.

Als ich meine eigene Familie hatte, beschäftigte mich diese Frage kaum noch. Ich gehörte dahin, wo wir zusammen lebten. Ich wollte nicht weg, weil ich so gern da war. Wenn ich verreiste, hätte ich am liebsten alles mitgenommen, was diesen Alltag ausmachte. Einschließlich Hund. Vermutlich auch dessen Lieblingsplatz.

Meine Kinder leben inzwischen an unterschiedlichen Orten und gestalten ihr eigenes Leben. Und ich muss herausfinden, wie meines jetzt aussehen soll. Darüber habe ich lange nicht auf diese Weise nachdenken müssen.

Das alte Gefühl, nirgends ganz hinzugehören, ist mir vertraut. Ich hätte mich trotzdem nicht unbedingt darauf gefreut, es noch einmal so gut kennenzulernen.

Eine Freundin von mir verreist ausgesprochen gern. Sie hat ihr Leben an einem Ort verbracht und weiß, wohin sie zurückkommt. Ich habe sie oft darum beneidet, wie unbeschwert sie aufbrechen kann. Wobei ich natürlich nicht weiß, ob es sich für sie immer so anfühlt, wie es von außen aussieht. Wahrscheinlich beneidet auch gelegentlich jemand mich um meine vielen Möglichkeiten, während ich gerade gern mit einem vertrauten Menschen auf dem Sofa sitzen würde.

Ich möchte diese Erfahrungen nicht missen. Anderswo zu leben hat mir Begegnungen ermöglicht, die es sonst nie gegeben hätte. Es hat meinen Blick verändert, manchmal auch mich. Und doch wäre ich gelegentlich gern jemand, der wegfährt und anschließend ohne größere innere Verhandlungen wieder zu Hause ankommt.

Stattdessen fehlt mir mal hier jemand, mal dort. Und ich frage mich, ob ich wirklich verreisen möchte oder ob ich nach einem Gefühl suche, das früher ohne Reise zu haben war.

Vielleicht ist es beides. Nur merke ich, dass sich diesmal etwas anders anfühlt. Ich bin wieder zwischen den Orten, aber nicht mehr ganz so verloren darin. Ich fühle mich mehr bei mir selbst. Das ist noch ungewohnt. Es macht mich aber neugierig darauf, wie ich anderswo leben würde. Was mir dort gefallen könnte, wem ich begegnen würde. Vielleicht sogar darauf, wie es wäre, eine Weile zu bleiben.

Ich wünsche meinen Kindern, dass sie Freude daran haben, ihr eigenes Leben zu entdecken. Welche Orte dabei wichtig werden, werden sie selbst herausfinden.

Und ich möchte das für mich auch wieder herausfinden.

In letzter Zeit habe ich jedenfalls mehr Lust, loszugehen. Was ich unterwegs finden möchte, kann ich noch nicht besonders gut erklären. Ich weiß nur, dass der Anblick eines Flugzeugs gerade mehr mit mir macht als die Fotos meiner Wohnung.

Die ist übrigens immer noch schön.

Ich hätte nur gern, dass mein Herz beim Buchen mitentscheiden dürfte.

Es würde vermutlich erst einmal nur den Hinflug nehmen.

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