Sie ruft an und sagt: Ich muss dir was erzählen.
Dann erzählt sie. Von etwas, auf das sie lange gehofft hat. Etwas ist gelungen. Nicht zufällig, nicht einfach so. Sie hat dafür gearbeitet, gezweifelt, noch einmal angefangen, Dinge ausgehalten, von denen kaum jemand etwas wusste. Und jetzt ist es da.
Das ist ja großartig, sagt die andere.
Eine kleine Pause.
Ja, sagt sie. Aber mal sehen.
Da ist es. Dieses Aber. Es braucht manchmal nur zwei Sekunden, um einen schönen Moment wieder auf Normalgröße zu schrumpfen.
Aber mal sehen.
Aber wer weiß, wie lange.
Aber so besonders ist es nun auch wieder nicht.
Aber andere schaffen viel mehr.
Wir sind erstaunlich gut darin, dem Unglück einen Sessel hinzustellen und dem Glück zu sagen, es solle bitte nicht so viel Platz einnehmen.
Wenn etwas schiefläuft, dürfen wir drei Tage darüber reden. Wir analysieren Nachrichten, Blicke, Entscheidungen und Nebensätze. Wir erzählen die Geschichte noch einmal beim Kaffee und später am Telefon.
Aber wenn etwas gutgeht? Dann werden wir plötzlich bescheiden. Ach, war doch nichts.
Vielleicht haben wir irgendwann gelernt, dass zu viel Freude verdächtig ist. Als könnte das Leben mithören und sagen: Ach, du findest es gerade schön? Warte mal kurz.
Also klopfen wir vorsichtshalber auf Holz. Wir relativieren. Wir suchen schon nach dem nächsten Problem, bevor das gute Gefühl überhaupt die Jacke ausgezogen hat.
Dabei gibt es Tage, die nichts von uns wollen. Keine Erkenntnis. Keine Verbesserung. Keinen Plan für morgen. Sie wollen nur, dass wir sie bemerken.
Vielleicht ist heute etwas gelungen.
Vielleicht sitzt jemand am Tisch, den man liebt.
Vielleicht kommt eine Nachricht, auf die man gehofft hat.
Vielleicht schmeckt der Kaffee besonders gut und draußen ist dieses Licht, das einen Raum für ein paar Minuten schöner macht, als er eigentlich ist.
Dann muss daraus nichts werden. Wir dürfen uns freuen, ohne sofort nach dem Haken zu suchen. Wir dürfen einen guten Tag haben, obwohl irgendwo etwas ungelöst ist. Und wir können glücklich sein, auch wenn wir nicht wissen, wie lange ein guter Moment bleibt. Gerade darin liegt der Grund, ihn nicht gleich wieder kleiner zu machen.
Sie nimmt das Telefon noch einmal in die Hand. Weißt du was?, sagt sie.
Was?
Es ist wirklich großartig.
Diesmal kommt kein Aber.
