Neulich dachte ich, ich sei großzügig.
Ich schrieb eine Nachricht, die ich nicht schreiben wollte, sagte Ja, obwohl mein Körper längst nach der Handtasche griff, und nannte das Ganze dann Liebe.
Frauen können erstaunlich elegant verschwinden, während sie noch im Raum sitzen.
Katharine Hepburn soll einmal gesagt haben: Liebe ist nicht das, was man erwartet zu bekommen, sondern das, was man bereit ist zu geben.
Ein schöner Satz. Sehr schön sogar.
So schön, dass man fast übersieht, wie gefährlich er werden kann, wenn man ihn an einem dieser Tage liest, an denen man sich selbst kaum noch halten kann. Wenn der Kopf voll ist, das Herz dünnhäutig und irgendwo in einem die kleine, unvernünftige Hoffnung sitzt, jemand möge jetzt bitte kurz das Leben übernehmen.
Nicht, weil Geben falsch wäre. Sondern weil es an solchen Tagen leicht ist, Geben mit Verschwinden zu verwechseln.
Denn Geben klingt edel. Nachgeben klingt vernünftig. Und sich selbst kurz aus dem Weg zu nehmen klingt fast liebevoll, wenn man es nur sanft genug formuliert.
Ich will ja nicht schwierig sein. Er hat gerade viel um die Ohren. So wichtig ist es mir auch wieder nicht.
Das sind mehr als Sätze. Das sind kleine Umzugskartons.
Man packt sich selbst Stück für Stück hinein und merkt erst später, dass die Liebe nicht voller geworden ist, sondern leerer.
Dabei ist Geben etwas völlig anderes als Sich-Aufgeben.
Geben heißt nicht, kleiner zu werden, damit der andere mehr Platz hat. Geben heißt, etwas zu haben, das man teilen kann: Zeit, Wärme, Geduld, Zärtlichkeit, ein Zuhause — und ein eigenes Leben, das nicht darauf wartet, gerettet zu werden. Manchmal auch eine Schulter, an der der andere für einen Moment sein Gewicht ablegen darf. Eine Umarmung, die nichts löst und trotzdem alles leichter macht. Oder den ersten Schritt zurück auf den anderen zu, obwohl der Stolz schon im Mantel an der Tür steht.
Aber geben kann nur, wer noch da ist.
Und genau daran scheitern viele Liebesgeschichten nicht laut. Nicht mit Türenknallen, dramatischen Abgängen oder Champagnergläsern an weißen Wänden.
Sie scheitern leise.
An zu vielen Momenten, in denen einer nickt, obwohl er Nein meint. Lächelt, obwohl er müde ist. Verständnis hat, obwohl er eigentlich Nähe wollte.
Ich glaube nicht an Liebe als Ein-Personen-Projekt.
Ich glaube an zwei Menschen, die einander wollen. Nicht aus Mangel. Sondern weil das Leben zu zweit schöner werden kann. Wärmer. Weiter. Manchmal auch heller, weil einer noch Licht sieht, wo der andere nur den langen Tag mit nach Hause bringt.
Die große Liebe verlangt nicht, dass wir unabhängig genug sind, um niemanden mehr zu brauchen.
Was für ein trauriger Unsinn.
Natürlich wollen wir uns anlehnen. Natürlich wollen wir gehalten werden. Natürlich wollen wir diesen einen Menschen, bei dem wir nicht erst erklären müssen, warum der Tag zu viel war.
Aber Anlehnen ist etwas anderes als Umfallen.
Eine gute Liebe macht aus zwei ganzen Menschen etwas, das allein nicht entstanden wäre.
Am Ende hatte Katharine Hepburn also recht. Liebe ist das, was man zu geben bereit ist.
Sie hat nur vergessen zu erwähnen, dass man vorher prüfen sollte, ob man selbst noch da ist.
Denn Liebe ist ein Geschenk. Aber keines, bei dem man sich selbst mit einpackt.
